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„Kinder haben keine Stimme“

Die Vorsitzende des Kinderschutzbunds im Gespräch über das Engagement ihres Vereins
 

Kinder können ihre Rechte nicht selbst vertreten und brauchen besonderen Schutz. Der Deutsche Kinderschutzbund Baden-Baden/Rastatt will in diesem Bereich helfen. Vorsitzende Anja Fahrion hat BT-Redakteurin Sarah Reith erläutert, was das konkret bedeutet.

 

Interview BT: Frau Fahrion, der Deutsche Kinderschutzbund Baden- Baden versteht sich als Lobby für Kinder in der Region. Wie schlägt sich das in der Vereinsarbeit nieder?

 

Anja Fahrion: Wir bieten vor Ort Hilfestellungen und Angebote für Kinder und Jugendliche – unter anderem in Kooperation mit dem Jugendamt. Zum Beispiel unterstützen wir in schwierigen familiären Situationen als neutrale Personen den sogenannten begleiteten Umgang von Kindern mit ihren Eltern, um Kontaktabbrüche zu vermeiden und das Wohl des Kindes zu schützen.

 

Weitere Maßnahmen sind unser „Gesundes Frühstück“, Elternkurse und unser neues Projekt „Familienpaten“. Jedes Jahr veranstalten wir auch unseren St. Martinsumzug, nehmen an Festen für Kinder wie dem „Kunterbunten Kinderspaß“ oder dem Riesenwiesenfest teil.

 

BT: Worum geht es bei den „Familienpaten“? Fahrion: Wir wollen ehrenamtliche Helfer vermitteln, die Eltern im Alltag unterstützen und sich um die Kinder in den Familien kümmern. Sie sorgen damit für Entlastung in angespannten Situationen, schenken den Kindern Aufmerksamkeit und den Eltern Zeit.

 

BT: Schon vor zwei Jahren haben Sie das „Gesunde Frühstück“ in den Grundschulklassen der Theodor-Heuss-Schule eingeführt. Wird es das Angebot auch im nun gestarteten Schuljahr 2020/21 geben? Fahrion: Wir haben vor, das „Gesunde Frühstück“ auch in diesem Schuljahr weiterzuführen. Allerdings suchen wir zur Zeit noch junge Muttis, die das Frühstück zubereiten. Unsere ehrenamtlichen Damen, die bisher dafür zuständig waren, gehören schon altersbedingt zur Risikogruppe und scheiden somit aus.

 

BT: Hat sich Ihre Arbeit durch Corona verändert? Gibt es andere Problemlagen, mit denen Sie konfrontiert sind? Fahrion: Durch Corona hat sich sehr viel verändert. Es gibt Einschränkungen beim begleiteten Umgang, alle Feste und Veranstaltungen sind entfallen. Wir mussten überdenken, wie wir die Familien erreichen, die Bedarfe haben und wie wir unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen schützen. Ebenso sind Spendengelder und Zuschüsse ein großes Thema – wir sind darauf angewiesen. Auch haben wir unsere Projekte der neuen Situation angepasst, wie zum Beispiel die Versorgung der Lehrerschaft mit Schutzvisieren, damit die Kinder die Mimik erkennen können, die Versorgung von Privathaushalten mit Computern – so können Kinder ihre schulischen Aufgaben zu Hause erledigen.

 

BT: Wie reagieren Sie, wenn sich jemand an Sie wendet, weil er das Wohl eines Kindes in Gefahr sieht? Fahrion: Bei Gewalt oder Verdacht auf sexuellen Missbrauch vermitteln wir weiter an die Jugendämter. Bei dem explizit geäußerten Wunsch, das Jugendamt erst einmal außen vor zu lassen, haben wir einen fachkompetenten Ansprechpartner, an den wir weiterleiten. Das Thema Missbrauch ist sehr wichtig. Kürzlich haben wir auch dem Kinder- und Jugendheim in Baden-Baden eine sogenannte „Schätzekiste“ geschenkt, die eingesetzt wird zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch.

 

BT: Morgen wird der Weltkindertag gefeiert. Warum ist es wichtig, auf die Bedürfnisse und Rechte von Kindern aufmerksam zu machen? Fahrion: Kinder sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie haben keine Stimme. Ihre Partizipation muss gestärkt werden.

 

Vielen Dank an das Badische Tagblatt für Interview & Veröffentlichung (Artikel vom 19.08.20).

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